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Ja, dass hatte ich mir anders vorgestellt. Aber anders geht nicht!

Worte der Besinnung für den 16. Mai 2020

Jugendreferentin Kerstin Böger-Fischer

Das hatte ich mir aber ganz anders vorgestellt. 
Und nicht erst seit Corona.
Manchmal sind es die kleinen Dinge, die einen auf die Palme bringen.-
Boah, schon wieder im Stau stehen, ich wollte doch nur kurz von A nach B.
Schon wieder ist kein Papier mehr im Kopierer und keiner hat nachgefüllt.
Hmpf und wieso ist schon wieder keine Hefe da.

Oder es sind die großen Dinge, die einen umhauen. Lebenspläne, Entwürfe werden über den Haufen geworfen:
Das hatte ich mir ganz anders vorgestellt! Im Job voll durchstarten, aber ich werde durch viele kleine und große Vorschriften gebremst.
Einen großen Urlaub machen, aber leider ist Ebbe in der Urlaubskasse.
Das hatte ich mir ganz anders vorgestellt. Ja, hatte ich. Und was nun? Ärgere ich mich jetzt grün und blau und verzweifle. Oder nehme ich mir meine Pläne noch mal vor?
Wie wäre es mit Plan B, wenn A nicht geht oder sogar Plan C?
Meine Vorstellungen kollidieren leider oft mit den Umständen, anderen Menschen, Einflüssen. 
Halte ich mich jetzt mit meinen alten Plänen auf und weine ihnen nach oder schmeiß ich sie nach kurzem Trauern über Bord? 
Nochmal auf Anfang: Ja, das hatte ich mir anders vorgestellt. Anders geht nicht! Wie stelle ich es mir jetzt vor? Ich bin in der Realität angekommen und kann das Heft des Handelns wieder in die Hand nehmen. Der Stau geht vorbei, ich könnte ja für solche Fälle ein Hörbuch parat haben. Papier im Kopierer schnell nachlegen, damit ich weiterarbeiten kann statt wertvolle Energie mit Ärgern zu verschwenden. Und statt Hefe gibt es Quark-Öl-Teig.
Größere Pläne erfordern da schon mehr Zeit zur Umplanung.
Was hindert mich am Durchstarten? Wie kann ich das umgehen? Wo sind Verbündete?
Ebbe in der Urlaubskasse? Vielleicht sollte ich meine Ausgaben mal überprüfen?
Was haben Sie sich anders vorgestellt?
„Das Leben ist hart, aber unfair“ ist so eine Facebook – Weisheit. Aber geht es darum? Geht es darum, ob das Leben fair ist? Ist das Leben nicht einfach das Leben? Es geht auf und ab, wie beim Wellen reiten. Das Leben ist dynamisch und fordert einem manchmal einen Sturm ab oder stellt sich meinen Vorstellungen in den Weg. Aber ich muss versuchen die Zügel wieder in die Hand zu bekommen und mein Leben leben und mich nicht leben lassen. Das ist anstrengend, aber ich habe die Chance wieder Gestalter*in meines Lebens zu werden und Vorstellungen umzuformen.
Fröhlichkeit, Freude, Glück, aber auch Trauer, Wut, Ängste zeigen doch, dass ich lebendig bin. Ich fühle, also bin ich. Und ich darf auch ein wütendes „Das hatte ich mir aber anders vorgestellt“ in Richtung Gott schreien. Der heutige Sonntag fordert gerade dazu auf: Rogate – Bete. Wut, Verzweiflung, Trauer, Freude, Dank - das alles kann ich Gott sagen. Im Gespräch mit Gott sortieren sich Dinge wieder neu und eröffnen vielleicht auch Dinge, die ich mir vorher gar nicht vorgestellt hätte.
Und gerade gestern las ich einen Tipp von Eckhardt von Hirschhausen in der Tageszeitung zur heutigen Situation: „Mach das Beste draus. Je mehr psychische Energie wir damit vertrödeln, der Realität vorzuwerfen, dass wir uns das Ganze anders vorgestellt haben, desto anstrengender wird es.“ 


Kerstin Böger-Fischer
Jugendreferentin im Kirchenkreis Lübbecke


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